Räume für Träume 

Attraktives Wohn- und Kulturprojekt in den früheren Räumen der Hochschule

In den Räumen der HKS am Wiestebruch soll das Projekt LebensArt verwirklicht werden. Foto: Dammann

02.01.‘21


Von Uwe Dammann


Ottersberg. Das Votum war eindeutig. Einstimmig verabschiedete der Ottersberger Rat in seiner jüngsten Sitzung vor Weihnachten den Bebauungsplan Nr. , der das schon lange diskutierte Wohnprojekt LebensArt Ottersberg auf den Weg bringt. Damit ist nun endlich – nach einer langen Vorlaufphase – im nächsten Jahr der Weg frei, für ein ungewöhnliches und gleichermaßen einzigartiges Wohn- und Lebensprojekt in Ottersberg. Die FGBO-Fraktion hatte das Projekt für das der Achimer Kurier den schönen Titel „Räume für Träume" fand, von Anfang an unterstützt. Dass es so lange dauerte bis der B-Plan offiziell auf den Weg gebracht wurde, lag in erster Linie an der Baubehörde des Landkreises. Da sich im inneren des Wohnprojektes auch ein Veranstaltungssaal – eine Art Aula für Musik, Tanz, Theater, Lesung – befindet, war man beim Landkreis der Meinung, dass für dieses Vorhaben, der bestehende B-Plan geändert werden muss.
Doch der Reihe nach: Als die Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) vor rund sechs Jahren bekannt gibt, dass sie ihren Standort am Wiestebruch nach über 50 Jahren für einen Neubau an der Großen Straße aufgeben wird, fühlten sich einige Menschen aufgerufen, hier an diesem Standort ein gemeinsames Kultur- und Wohnprojekt ins Leben zu rufen. „Ziel soll es sein, die geschichtlich geprägte Verbindung von künstlerischem Schafen und sozialem Wirken fortzuführen", heißt es auf der Homepage des Vereins Lebensart Ottersberg.
„Im Rahmen eines Infotages im März 2016 wurde die Projektidee erstmalig einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. An der großen Resonanz wurde deutlich, wie viele Menschen sich danach sehnen, Kultur mit gemeinschaftlichem Wohnen zu verbinden. Die Gründung des Vereins LebensArt Ende 2016, schuf einen rechtlich verbindlichen Rahmen als Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens", heißt es auf der Homepage des Vereins.
Das ist mittlerweile schon wieder vier Jahre her, und der ein oder der andere aus dem Team der Verantwortlichen hätte sich sicherlich eine schnellere Umsetzung des Vorhabens gewünscht, doch so schnell mahlen die bürokratischen Mühlen nicht. Im Ortsrat Ottersberg und auch im Gemeinderat, genau wie in der Ottersberger Verwaltung, war man sich sehr schnell einig, dieses Wohn- und Kulturprojekt zu unterstützen und wollte die Genehmigung für den Umbau ohne eine B-Plan-Änderung auf den Weg bringen. Doch da war der Landkreis davor – so dass das Planverfahren nun noch mal neu aufgestellt werden musste. Das ist nun geschehen – und nun ist wieder der Landkreis am Zuge, der den B-Plan der Gemeinde genehmigen muss.
Der Träger des Projekts für den kulturellen, gemeinnützigen Teil, nennt sich Kulturverein LebensArt Ottersberg e.V.. Herzstück des Vorhabens ist ein öffentlicher Veranstaltungsraum (Aula), in dem Kursangebote, Konzerte und Theateraufführungen, Lesungen, Ausstellungen stattfinden sollen. Der Verein möchte hier zum Teil selber Veranstaltungen anbieten, den Raum aber auch anderen Akteuren zur Verfügung stellen. Einen weiteren Bestandteil des kulturellen Angebotskonzeptes bilden Ateliers sowie Büroräume für freischaffende Künstler*innen, Gründer*innen und Jungunternehmer*innen, die auch als Co-Working-Spaces nutzbar sein sollen.

Angegliedert an den Veranstaltungsraum, die Ateliers und die Co-Workingspaces soll eine Gemeinschaftsküche mit Cafébetrieb entstehen, die zur Bewirtung für einen ebenfalls geplanten Seminarbetrieb sowie von Veranstaltungen im Veranstaltungsaal (Aula) vorgesehen ist. Auch die Einführung eines Mittagstisches für die Bewohner*innen, Gäste und Nachbar*innen aus dem Ort ist geplant.
Damit entsteht insbesondere mit dem Café ein Treffpunkt für die Menschen aus dem Wohnprojekt, der Nachbarschaft, der Nutzer*innen der Ateliers. Auch für junge Familien würde so ein wichtiger Treffpunkt entstehen, an dem Platz für Kinder, Eltern und Großeltern ist.
Unter dem großen Dach des Gebäudes soll Wohnraum für viele unterschiedliche Lebenssituationen geschaffen werden: Wohnen für Familien, für Singles, Paare, Menschen mit Behinderung, Wohngemeinschaften (alle barrierefrei).
Es wird abgeschlossene Wohneinheiten (mit Bad und Küche) geben. Vorgesehen sind 2-3 Wohnungen, die im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus staatlich gefördert werden, sowie diverse Räume zur gemeinschaftlichen Nutzung (Waschküche, Werkstatt, Gästezimmer, Abstellraum, Sauna, etc.). Durch die enge Kooperation mit dem Verein LebensArt e.V. sind Ateliers, Musikraum, eine Pension und weitere Kreativräume in Planung. Der Clou: Die Bewohner können die Größe und Lage der einzelnen Räume und der Küche mit planen und entwerfen. Jede Wohnung, sowohl im Erdgeschoss als auch im ersten und zweiten Stock, soll mit einem privaten Außenbereich – ob Terrasse oder Balkon – von individueller Größe ausgestattet werden.
Der Garten wird Räume für den Einzelnen, für alle KG-Mitglieder und für alle Projektbeteiligten bereithalten.
Finanziert wird das Millionenprojekt von den Bewohnern selbst. Durch die Organisationsform der KG hat der Verein nach eigenen Angaben eine Struktur geschaffen, die es ermöglicht, viele unterschiedliche finanzielle Voraussetzungen miteinander zu vereinbaren. Alle Bewohner werden Mitglied der LebensArt GmbH & Co. KG und erhalten ein Nutzungsrecht für eine Wohnung für die dann ein, der Wohnungsgröße angemessenes, Nutzungsentgelt gezahlt wird. Um das Projekt solide zu finanzieren und abzusichern, strebt der Verein laut Homepage eine Eigenkapitalquote von 25 % an, d.h. für jeden m2 Wohnfläche werden incl. der Gemeinschaftsräume ca. 600,- € benötigt. Darüber hinaus kann durch höhere Eigenkapitaleinlagen (als dauerhaftes Darlehen) das Nutzungsentgeld reduziert werden. Die Organisation soll durch Verträge gesichert und strukturiert werden, die auch den Ein- und Ausstieg regeln. Die GmbH als Komplementärin ist zuständig für die Umsetzung der beschlossenen Regeln und einen Großteil der Organisation. Das alltägliche Miteinander regeln der Nutzungsvertrag und eine Hausordnung. Diese Organisationsform ermöglicht einen Wohnungswechsel bei veränderten Lebenssituationen.
Weitere aktuelle Informationen zu dem Wohnprojekt „LebensArt" können Interessierte auf der Homepage des Vereins unter www.lebensart-ottersberg.de erhalten. Dort sind auch die Entwürfe der Wohnungsgrundrisse abgebildet.

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Übrigens:

"Wer nichts waget, der darf nichts hoffen."

Friedrich Schiler

Wer ist eigentlich:

Harald Steege

Vertriebsleiter i. R., verheiratet, drei Kinder
Harald Steege lebt seit 1990 in Ottersberg und ist Mitglied im Gemeinderat und Ortsrat Otterstedt. Er ist Vorsitzender der FGBO.

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