Erdgasförderung durch 
 FRACKING in den 
 Landkreisen Verden und 
 Rotenburg 

30.05.‘12

Am Freitag, dem 27. April 2012 lud die FGBO zu einem Informationsabend zum Thema „Fracking“ ein. Vertreten waren die Bürgerinitiative „No-Fracking“ aus Völkersen, die BürgerInitiative „FRACK-loses Gasbohren im Landkreis Rotenburg“ und der Wasser-Versorgungsverband (WVV) Rotenburg-Land.

Generell wird bei der Erdgasförderung zwischen konventionellen und unkonventionellen Gasvorkommen unterschieden. Während bei der ersteren das Erdgas bei einer Bohrung weitgehend selbständig entweichen kann, muss bei der unkonventionellen Förderung das Gestein mit Hilfe von Chemikalien aufgebrochen werden, damit das Gas entweichen kann. Letzteres wird als „Fracking“ bezeichnet. Dabei können von jedem vertikalen Bohrloch aus mehrere horizontale Bohrungen in der Tiefe vorgenommen werden.

Die Homepage der Bürgerinitiative Rotenburg bietet unter http://www.frack-loses-gasbohren.de, LK ROW, Plan Bohrstellen, einen Link zu Google.maps mit Informationen über alle Bohrstellen in Deutschland. Daraus ist auch ersichtlich, dass sich die Mehrzahl der Bohrstellen in Niedersachsen befindet.

Bei den in Völkersen und Rotenburg existierenden Tigh Gas Vorkommen in 4000 bis 5500m Tiefe gibt es aufgrund der steigenden Undurchlässigkeit der Gesteinsformation einen fließenden Übergang von der konventionellen zur unkonventionellen Förderung. In diesen Tiefen gibt es Wasservorkommen, das sogenannte Lagerstättenwasser, welches zusammen mit dem Erdgas zutage gefördert wird und welches mit Schadstoffen belastet ist. Im Bereich des Erdgasfeldes in Völkersen handelt es sich hauptsächlich um Benzol, eine nachweislich stark krebserregende Substanz.

Das Lagerstättenwasser wird mit LKWs oder durch Abwasserleitungen zu den Entsorgungsstellen transportiert. In Völkersen handelt es sich um ein 22 km langes und in 1,2 bis 1,4m Tiefe verlegtes Leitungsnetz aus Kunststoffrohren PE 100 HD, welches im Jahre 1997 verlegt wurde. Problematisch an diesen Rohren ist, dass Benzol durch den Kunststoff diffundieren kann, eine Tatsache, welche schon 1980 in Holland nachgewiesen wurde. Entsprechend wurden im Januar 2012 an einigen Stellen des Leitungsnetzes hohe Benzolwerte, auch im Grundwasser, festgestellt. Der zuständige Konzern, die RWE Dea, muss nun aufwendige Sanierungsarbeiten vornehmen.

Entsorgt wird das Lagerstättenwasser indem es in ca. 1000m Tiefe in ein poröses Gestein gepresst wird, ein Vorgang, der nicht reversibel ist. Jährlich werden so etwa 42.000m3 Lagerstättenwasser in Scharnhorst („Völkersen H1“), einem Wasserschutzgebiet, verpresst. In nur etwa 500m Entfernung befindet sich der Trinkwasserbrunnen des Wasserwerkes Panzenberg. Weitere Verpressstellen existieren zwischen Sottrum und Bötersen („Sottrum Z1“) und in Söhlingen („Söhlingen H1“). Nun gibt es zwar schematische Aufzeichnungen über die Gesteins- und Erdschichten, aber wie die Schichten ganz konkret an den Verpressstellen aussehen, d.h. ob es dort Risse oder nach oben durchlässige Stellen gibt, ist nicht bekannt. Entsprechend ist nicht ermittelbar, wohin das Lagerstättenwasser gelangt.

Das Grundwasser, aus dem die Wasserversorgungsverbände das Trinkwasser entnehmen, liegt in einer Tiefe von etwa 300m. Abgesehen von den eventuell bereits bestehenden Rissen erhöht jede Bohrung in den Trinkwassergewinnungsgebieten die Wahrscheinlichkeit der Kontaminierung des Trinkwassers, weil dadurch die natürlichen Gesteinsschichten, die das Grundwasser vor tiefer liegenden Schadstoffen schützt, durchbrochen werden. Zwar sind die Rohre mit Beton ummantelt, aber im Falle eines Erdbebens ist dies unzureichend.

Bisher galt Niedersachsen als seismisch inaktives Land; bis ca. 1996 wurden keine Erderschütterungen gemessen. Etwa seit der Jahrtausendwende wurden jedoch mehrere Beben registriert, wie z.B. am 20. Oktober 2004 in der Region Rotenburg (mit einer Magnitude von 4,5 - dies war selbst in Hamburg noch zu spüren), am 1. April in Langwedel bei Verden (mit einer Magnitude von 2,8), am 2. Mai 2011 in der Gegend von Kirchlinteln bei Verden (mit einer Magnitude von 2,6 – 3,6) und am 13. Februar 2012 in Söhlingen bei Visselhövede (mit einer Magnitude von 2,9 – 3,8). Die letzten beiden genannten Erdbeben fanden in einer Tiefe von ca. 1000m statt, bei den früheren Beben wurde die Tiefe noch nicht erfasst. Die Bürgerinitiativen vermuten einen Zusammenhang zwischen der Erdgasförderung durch Fracking und den Erdbeben.

Aufgrund der oben genannten Tatsachen fordert der WVV Rotenburg-Land ein Verbot von Bohrungen und Fracking in und in der Nähe von Wasserschutzgebieten sowie eine Beteiligung der betroffenen Wasserversorgungsunternehmen an den Genehmigungsverfahren für Projektpläne der Energieunternehmen. Dabei ist es geboten, die Wasserschutzgebiete dreidimensional zu betrachten und nicht wie bisher nur Kontaminierungen an der Oberfläche zu berücksichtigen. Generell muss die Gewinnung des Trinkwassers Vorrang vor der Gewinnung von Erdgas und vor wirtschaftlichen Interessen haben. „Wasser ist kein Wirtschaftsgut, sondern eine Lebensgrundlage“, so der WVV Rotenburg-Land.

Nach dem geltenden Gesetz ist das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) für die Genehmigung von Erdgasförderprojekten zuständig. Weder die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung noch eine Beteiligung der zuständigen Wasserbehörden ist erforderlich, eine Tatsache welche von allen Referenten scharf kritisiert wurde. Das LBEG ist weiter für die Betriebsphase sowie für Schadensfälle zuständig. Zudem müssen die Geschädigten wie z.B. die Hausbesitzer in Rotenburg, deren Häuser durch das Erdbeben im Jahre 2004 Risse bekommen haben, beweisen, das diese a) durch das Erdbeben entstanden sind und b) dass das Erdbeben mit dem Frackingvorgang in Verbindung zu bringen ist. Da die damit verbunden Kosten kaum von Privatpersonen zu tragen sind, fordern die Bürgerinitiativen im Schadensfall eine Beweisumkehrlast zu Gunsten der Geschädigten.

Fracking ist weltweit umstritten und in vielen Ländern wie z.B. Frankreich und Canada verboten. Auch die Bürgerinitiativen setzen sich aus den oben genannten Gründen für ein Fracking-Verbot ein, wobei die Bürgerinitiative aus Völkersen jedoch betont, nicht grundsätzlich gegen Erdgasbohrungen zu sein.

Links:

  • Die Homepage der Bürgerinitiative „No-Fracking“ aus Völkersen: www.nofracking.de

  • Die Homepage der BürgerInitiative „FRACK-loses Gasbohren“ im Landkreis Rotenburg: www.frack-loses-gasbohren.de

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Übrigens:

"Wer nichts waget, der darf nichts hoffen."

Friedrich Schiler

Wer ist eigentlich:

Tülay Ulusoy

Hausfrau, Jahrgang 1959, verheiratet, 3 Kinder
Tülay Ulusoy ist in der Türkei geboren und lebt seit 1973 in Ottersberg. Sie ist Mitglied im Gemeinderat und beratendes Mitglied im Ortsrat in Ottersberg.

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