"Wer nichts waget, der darf nichts hoffen."
Friedrich Schiller


27.06.‘25
Von Uwe Dammann
Ottersberg. Bei der einen Anwohnerin an der Grünen Straße wackeln buchstäblich die Gläser im Schrank, wenn die großen Laster vorbeirauschen. Andere, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, fürchten um ihre Sicherheit oder sehen ihre Kinder gefährdet. Allen gemein ist auf jeden Fall der Wunsch nach einer Verkehrsberuhigung im Ottersberger Ortskern – und das könnte unter anderem auch durch eine Tempo 30-Zone erreicht werden. Das ist die Quintessenz aus einer lebendigen Diskussion auf der jüngsten Mitgliederversammlung der FGBO mit Bürgern im Café „Zum Durstigen Otter“. Die FGBO hatte das Thema Einführung einer durchgängigen Tempo 30-Zone in der Grünen Straße auf die Tagesordnung gesetzt und damit offensichtlich Interesse geweckt. Konkret möchte die FGBO eine durchgängige Tempo-30-Zone von der Waldorfschule bis zur Wümmeschule beantragen, um für Anlieger und Nutzern der Straße mehr Verkehrssicherheit und geringere Immissionen zu erreichen, betonte Fraktionsvorsitzender Holger Wieters-Froehlich. So ein Antrag sei in Arbeit und im Rat wolle man sich dafür eine Mehrheit suchen – dabei ist allen Beteiligten klar, dass die Kommune allein so ein Vorhaben gar nicht umsetzen könne. „Da wir hier von einer Landesstraße sprechen, sind wir nicht zuständig und können lediglich einen Antrag an die Verkehrsbehörde stellen, der dort geprüft wird“, betonte Bürgermeister Tim Willy Weber, der an der Sitzung teilnahm. Weber unterstützt allerdings das Vorhaben und nahm mit Interesse auf, dass sich die anwesenden Bürger hier auch eine Tempo-30 Zone wünschen. Denn Kritiker, die es auf jeden Fall auch im Ort gibt, waren in der Minderheit – lediglich ein Bürger machte darauf aufmerksam, dass die Gefahr bestünde, dass bei Tempo 30 die Immissionen eventuell noch zunehmen könnten, da die Autos langsamer durch den Ort fahren. Er verwies dabei auf entsprechende Studien.
Während die Kommune beim Thema Tempo 30 auf Ottersberger Durchgangsstraßen auf das Wohlwollen der übergeordneten Verkehrsbehörde angewiesen ist, wäre das beim zweiten Diskussionspunkt des Abends anders. Konkret geht es um eine Vorschrift für Autofahrer aus dem Alten Weg das Rechtsabbiegen verbindlich festzuschreiben. Diese Vorschrift könnte die Gemeinde eigenständig beschließen. Hintergrund der Diskussion ist die Tatsache, dass linksabbiegende Autos aus dem Alten Weg immer wieder gefährliche Situationen heraufbeschwören, wenn an dieser unübersichtlichen Stelle die Autos aus der anderen Richtung kommen. Vor allem Lastwagen, die den Supermarkt anliefern, sorgten bei der Abfahrt vom Gelände über die Straße Vogteigarten nach links für brenzlige Situationen . Doch auch hier ist eine Lösung nicht einfach – die großen LKW könnten in der Regel den sogenannten „kleinen Kreisel“ gar nicht befahren und müssten demzufolge von der Rechtsabbiegevorschrift ausgenommen werden, gab Weber zu Bedenken. Für Pkw-Fahrer sei diese Vorschrift aber zumutbar. So oder so – auch ohne abschließendes Ergebnis, die Kommunalpolitik muss sich in der nächsten Zeit verstärkt mit Verkehrsfragen auseinandersetzen. „Das Thema wird leidenschaftlich diskutiert und brennt den Bürgern auf den Nägeln“, fasste Ratsvorsitzender Stefan Bachmann die Debatte zusammen.
