Die Bestattungskultur ändert sich rasant 

Ortstermin mit Ottersberger Ratspolitikern in Achim

Der Fischerhuder Ortsbürgermeister und FGBO-Fraktionsvorsitzender Wilfried Mittendorf (mitte) hatte Ratspolitiker zum Ortstermin nach Achim eingeladen. Foto: Dammann

28.10.‘20


Von Uwe Dammann


Achim. Die Bestattungskultur in Deutschland ändert sich derzeit rasant. Erdbestattungen werden immer weniger und von Urnenbestattungen abgelöst. Grabstätten, die für die Angehörigen mit einer Verpflichtung zur Pflege und Betreuung einhergehen, sind ebenfalls weniger bei den Hinterbliebenen gefragt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Grabstätten in möglichst naturnaher Umgebung, beispielsweise im Friedwald, aber auch auf den traditionellen kommunalen und kirchlichen Friedhöfen. Das sind derzeit die Trends in der Bestattungskultur erläuterten einer Delegation aus Ottersberger Ratsmitgliedern zwei Experten. Die Fachleute und die Ratsmitglieder waren vom FGBO-Fraktionsvorsitzenden Wilfried Mittendorf zu einem Ortstermin auf dem Friedhof in Achim-Bierden eingeladen. Andreas Noltemeyer ist Inhaber der Friedhofsgärtnerei in Achim-Baden und betreut viele Grabstätten auf verschiedenen Friedhöfen in Achim und Umgebung. Joachim Spieler ist Inhaber der Stein- und Bildhauerei und sorgt für die Gedenksteine auf den Gräbern.
In Ottersberg hatte der Rat zwar erst vor einem Jahr eine neue Friedhofssatzung erlassen, aber zurzeit beschäftigt sich vor allem der Fischerhuder Ortsrat mit einer Anfrage nach der Einrichtung eines sogenannten Friedwaldes. Grund genug also für den Fischerhuder Ortsbürgermeister Mittendorf Ratskollegen zur Beschäftigung mit dem Thema der Friedhofskultur zu animieren. Denn die ist gefährdet: Das meint zumindest Andreas Noltemeyer und sieht die traditionellen Friedhöfe in Gefahr, wenn sich immer mehr Friedwald-Bestattungen – also Bestattungen unter einem Baum im Wald – durchsetzen sollten. „Unsere Friedhöfe sind ein wichtiger Bestandteil unserer traditionellen Kultur", sagt Noltemeyer. Allein schon deshalb dürfe man nicht immer mehr Freiflächen auf den Friedhöfen zulassen. Denn genau das passiere, wenn die Friedwald-Urnenbestattungen zunehmen. Ehemalige und unbelegte Grabstätten fallen brach, der Friedhof verwahrlose. Gegen diesen Trend müssten auch die Kommunen etwas unternehmen, zumal es durchaus attraktive Gestaltungsmöglichkeiten und Konzepte für die Friedhöfe gebe. Einige davon stellten Noltemeyer und Spieler den Ottersberger Kommunalpolitikern vor. Zum Beispiel gibt es auf dem städtischen Friedhof in Bierden die Grabanlage NaturRuh. Dahinter steckt die Idee, dass sich viele Hinterbliebene die Pflegekosten der gemeinsamen Grabanlage teilen. In dem NaturRuh-Areal finden die Beisetzungen in einer mit Stauden bepflanzten und natürlich wirkenden Grabstätte statt. Die Angehören können diese Grabstätte jeder besuchen und Grabschmuck oder Kerzen aufstellen. Gleichzeitig sind sie zur Verpflichtung der Grabpflege entbunden. Die gärtnerischen Arbeiten und die Pflege der Grabmale übernehmen Fachbetriebe. Die Pflege ist mit einem durch die Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen/Sachsen Anhalt kontrollierten Vertrag für 20 Jahre sichergestellt. Eine ähnliche naturbelassene Gemeinschaftsgrabanlage gibt es auch auf den kirchlichen Friedhof in Achim. Hier heißt die Anlage, die mit Insektenfreundlichen Stauden und Sträuchern bepflanzt wurde, Mose-Garten. Auch dieses Areal ist schön gestaltet, naturbelassene Gedenksteine erinnern an die Verstorbenen. Am Rande steht eine Bank zum Verweilen.
Noltemeyer und Spieler sind sich einig, dass sich die Ortspolitiker in den nächsten Jahren verstärkt mit den kommunalen Friedhöfen und damit auch den neuen Trends in der Bestattungskultur auseinandersetzen müssen. Die Ottersberger Kommunalpolitiker, von denen allein fünf Sitz und Stimme im Fischerhuder Ortsrat haben, werden die Informationen aus dem interessanten Rundgang über die Achimer Friedhöfe in ihre Beratungen miteinfließen lassen, versprach Wilfried Mittendorf.

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Übrigens:

"Wer nichts waget, der darf nichts hoffen."

Friedrich Schiler

Wer ist eigentlich:

Uwe Dammann

Redakteur, Jahrgang 1958, verheiratet mit Edda Dammann, zwei Kinder, lebt seit 1995 in Ottersberg im Ortsteil Bahnhof.
Uwe Dammann hat Germanistik/ Publizistik in Göttingen und Berlin studiert

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