Bürgermeisterkandidat mit schwarzem Zylinder 

Erinnerungen an die Gründung einer erfolgreichen Wählergemeinschaft

Der Bericht aus dem Achimer Kurier über die Gründung der FBO.

30.03.‘21

 

Von Uwe Dammann

Das unsere Wählergemeinschaft in Superlativen schwelgt, ist eher ungewöhnlich. Aber in diesem Fall scheint es angebracht: Zweifelsfrei ist das Jahr 2021 für die FGBO ein großes Jubiläumsjahr: Vor 20 Jahren gründete sich die GLO, Grüne Liste Ottersberg, vor 15 Jahren tat es die FBO Freie Bürger Ottersberg ihr gleich und vor 10 Jahren schlossen sich beide Gruppierungen zur FGBO Freie Grüne Bürgerliste Ottersberg zusammen. Wir feiern somit drei bemerkenswerte Jubiläen und könnten gleich noch den ersten „Geburtstag" des FGBO-Bürgermeisters Tim Willy Weber hinzufügen. Eine über zwei Dekaden andauernde Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf und soll im Wahljahr 2021 gebührend gewürdigt werden. Wie genau, steht wegen der anhaltenden Corona-Pandemie noch nicht fest, aber wir baten schon mal vorab Frauen- und Männer der „ersten Stunde" für die einzelnen Wählergemeinschaften um einen kleinen Rückblick zur Gründungsphase. Dabei geht es nicht nur um Politisches, sondern auch um Hut- und Zylinderfragen, oder um die etwas holperige Namensfindung für die FGBO, die anfangs Assoziationen zum Begriff Freie Fahrt für freie Bürger hervorrief. Und damit hat die Wählergemeinschaft wahrlich gar nichts am Hut.

Gründeten die GLO: Brigitte und Wilfried Mittendorf (mitte) bei einer Baumpflanzaktion vor dem Café Lindenlaub (natürlich eine Linde). 

 

„Ich kann nicht sagen, dass die Gründung der Wählergemeinschaft GLO (Grüne Liste Ottersberg) am 16. März 2001 ein Selbstläufer war", erinnert sich Brigitte Mittendorf. Die langjährige Ratsfrau gehörte mit ihrem Mann Wilfried Mittendorf sowie Anja Struß von Bargen und weiteren Mitstreitern zu den Gründungsmitgliedern. „Eine Gruppe von Menschen für die Umweltschutz, die Abschaffung der Atomkraftwerke und Frieden zu den herausragenden Zielen gehörten, wollten auf kommunaler Ebene dafür arbeiten", erinnert sich Brigitte Mittendorf – und das in diesem Fall unabhängig von einer Bundespartei. Insofern musste man das politische Vorhaben auch von der Pike auf in Angriff nehmen. Die Gründung einer Wählergemeinschaft als Verein wurde betrieben, eine Satzung musste erarbeitet werden, eine Homepage sollte installiert werden – und ein Wahlprogramm wurde vorbereitet. Außerdem sollten die frischen Ideen der jungen Wählergemeinschaft in die Öffentlichkeit gebracht werden. Kommunale Radtouren waren da hilfreich, Pressemitteilungen, und natürlich die eigene Wahlwerbung. Und das Engagement wurde belohnt. Am 9. September 2001 wurde die GLO mit zwei Mandatsträgern (8,4 Prozent der Wählerstimmen) in den Rat gewählt. Die zeitgleiche Kandidatur für den Verdener Kreistag war zwar nicht erfolgreich, aber immerhin reichten die zwei Prozent der GLO für einen zusätzlichen Abgeordnetensitz für Bündnis 90/Die Grünen, mit denen die GLO eine Wahlvorschlagsverbindung aufgenommen hatte. „Uns ging es darum, dass unsere Stimmen im grünen Bereich blieben", erinnert sich Brigitte Mittendorf.


Im Ottersberger Rat wurde die neue Wählergemeinschaft nicht unbedingt freudig begrüßt. Wilfried Mittendorf und Anja Struß von Bargen nahmen aber dennoch unverdrossen ihre Arbeit auf. Die ersten Anträge – beispielsweise zu einer Bürgerfragestunde am Ende der Sitzung – wurden bereits im November gestellt. Auch zum Haushalt 2002 gab es etliche Anträge, genau wie zur Verkehrsführung beim Dunwisch oder zur Bereitstellung von Mitteln für die Otterstedter Ampel. Keine Frage, die neue Wählergemeinschaft war äußerst fleißig. „Alle Politikfelder in den verschiedenen Ausschüssen zu bearbeiten, bedeutete für zwei Personen einen großen Zeitaufwand", erinnert sich Mittendorf. Obendrein musste man sich in den Sachthemen möglichst schnell einarbeiten. 2004 gab Anja Struß von Bargen ihr Mandat ab, und Brigitte Mittendorf rückte in den Rat nach. Sie arbeitete hauptsächlich in den Ausschüssen für Soziales, Schule, Kunst und immer im Verwaltungsausschuss. Auch Frauenanliegen wurden von ihr in allen Bereichen unterstützt. „Aber am liebsten habe ich mich für kulturelle Anliegen eingesetzt", sagt Brigitte Mittendorf. Das Bildhauersymposium war damals beispielsweise ein Höhepunkt in der Ottersberger Kulturlandschaft. Nach dem Ende des Symposiums hatte die GLO mit Kindern ein dreitägiges Kunstprojekt auf der Rathauswiese organisiert.

Ferienspaßaktion mit Stakboot und Wilfried Mittendorf. 

 

Überhaupt gehören zu den Aktivitäten der Wählergemeinschaft auch viele kleinere Aktionen, die sich nicht nur um Politik drehten, sagt Wilfried Mittendorf, heute Fraktionsvorsitzender der FGBO im Rat und ebenfalls ein „Mann der ersten Stunde". Es wurden im Ferienprogramm für Kinder Busfahrten zum Wattenmeerhaus nach Cuxhaven organisiert, man wanderte von Ottersberg nach Fischerhude oder bot Stakbootfahrten mit dem Wümmekahn an. Finanziell wurden Vereine wie der Kulturverein „Kukuc" oder die Skaterinitiative Fischerhude unterstützt. Auch gab es für den Bürgerbusverein, den Brigitte Mittendorf, maßgeblich angeschoben hatte, einen beträchtlichen Zuschuss in Höhe von 1500 Euro. Und die politische Vielfalt der Wählergemeinschaft zeigte- und zeigt sich auch den in den öffentlichen Bürgergesprächen mit besonderen Themen. Unter anderem ging es um vorgeburtliche Diagnostik, um eine Novelle zur Strahlenschutzverordnung, um Ottersberg Naturstrom, oder um eine mögliche Kooperation zwischen Waldorfschule und Gymnasium, um nur einige Themenfelder zu nennen. Ganz aktuell unternahm die FGBO 2019 eine Bustour in den Nachbarkreis Rotenburg – um die Förderstellen von Frackinggas kritisch unter die Lupe zu nehmen.
Da die Fraktion der GLO vor 20 Jahren zu Anfang nur aus zwei Mitgliedern bestand, hatte sie in den Ausschüssen kein Stimmrecht. Lediglich im Rat konnte man mit abstimmen. Bei dem Engagement erhofftes ich die GLO bei der Kommunalwahl einen Stimmenzuwachs. Doch es kam anders. Im Jahr 2005 war das alles bestimmende Thema in Ottersberg der Bau einer geplanten Biogasanlage. Gegen ihre Errichtung erhob sich ein vehementer Widerstand von Ottersberger Bürger*innen aus verschiedenen Initiativen und aus der entstand eine neue Wählergemeinschaft die FBO (Freie Bürger Ottersberg). Auch sie wollte in den Rat einziehen und erreichte bei der Kommunalwahl 2006 drei Mandate. Die GLO blieb mit zwei Vertretern im Rat. „Die Zusammenarbeit mit den neuen Ratsmitgliedern der FBO, Tim Weber, Manfred Dzubiella und Tülay Attila entwickelte sich positiv", erinnert sich Brigitte Mittendorf. Doch schnell wurde deutlich, dass zwei kleine Wählergemeinschaften für eine Gemeinde in der Größe Ottersberg zu viel sind. So wurde das 10jährige Jubiläum der GLO im März 2011 gleichzeitig als Geburtstag der neu gegründeten FGBO – Freie Grüne Bürgerliste Ottersberg gefeiert.


Auch Manfred Dzubiella, Gründungsmitglied der FBO erinnert sich an die Geschichte zur Gründung der neuen Wählergemeinschaft. Die FBO ging aus einer Bürgerinitiative gegen den geplanten Standort einer Biogasanlage in der Nähe des Kreuzbuchen-Waldes hervor. „Es ging nicht gegen den Bau der Anlage, sondern es ging um den Standort", sagt Manfred Dzubiella. Die Initiative kritisierte die Nähe der geplanten Anlage zum Wald, aber auch zur Wohnbebauung, und fürchtete Lärm- und Geruchsimmissionen. Die Initiative besuchte ab 2005 jede Gemeinderatssitzung und Bürgeranhörung und trat dann zur Wahl 2006 auch mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten an. Manfred Dzubiella erklärte sich bereit zu kandidieren. Um die Kandidatur mit einer Wahlliste zu unterstützen, musste ein Verein gegründet werden. „Wir waren gerade mal sieben Personen, das reichte", so Manfred Dzubiella. Als Bezeichnung wurde FBO – Freie Bürger Ottersberg – gewählt. „Es gibt noch ein Plakat, wo ca. 20 Bürger, alle gut behütet, auf der Treppe des Rektorhauses stehen. Ganz vorne steht Petra Schmidt mit dem FBO-Schild, im hinteren Bereich Tim Willy Weber mit einem Plakat „Kreative Demokratie". Das Logo hatte der Ottersberger Künstler und Grafiker Karlheinz Flau entworfen. Manfred Dzubiella trägt als Bürgermeisterkandidat einen Zylinder. Aber auch die neue Wählergemeinschaft, die mit drei Mandaten in den Rat einzog, sah ein, dass ein gemeinsames Vorgehen als größere Fraktion effektiver ist. So schloss man sich mit der GLO zur FGBO – Freie Grüne Bürgerliste Ottersberg – zusammen. „Der Name kann auch so gelesen werden: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die Forderungen der französischen Revolution", sagt Manfred Dzubiella.
Der Mitbegründer der FBO freut sich, dass die FGBO nun mit Tim Willy Weber erstmals den Bürgermeister im Flecken Ottersberg stellt. Und klar, auch Bürgermeister Tim Willy Weber, der als Gründungsmitglied der FBO von Anfang mit dabei war, erinnert sich an die Anfänge. „Ich hatte schon seit einiger Zeit überlegt, mal in die Kommunalpolitik hinein zu schnuppern, konnte oder wollte mich aber nicht entscheiden, welcher Partei ich beitreten sollte. Als die Familie Weber 2005 nach Ottersberg zog, war die Wählergemeinschaft gerade in Gründung. Ihr Protest richtete sich in erster Linie gegen die mittlerweile fertig gestellte Biogasanlage. „Ich selbst wusste gar nicht, ob ich gegen die Anlage bin, fand aber das solche Fragen durch die Bürger*innen entschieden werden sollten", so Tim Willy Weber. Er erinnert sich an die Aktiven der ersten Stunde, wie Manfred Dzubiella, Karlheinz Flau und Frauke Vakilzadeh. Auch die Entstehung des ersten Gruppenfotos der FBO ist Tim Willy Weber noch gut in Erinnerung. Alle sollten Hüte aufsetzen, aber er wollte keinen Hut tragen. „Mein Verhältnis zu Hüten hat sich mittlerweile geändert", sagt Tim Willy Weber mit einem Schmunzeln. Der Auftritt der neuen Wahlergemeinschaft war anfangs ein wenig durcheinander, jedoch engagiert – und das spüren die Menschen im Ort, erinnert sich Weber. Auch die Namensgebung FBO war anfangs etwas holperig. Zunächst nannte man sich Freie Bürger Ottersberg, das erinnert an „Freie Fahrt für freie Bürger", was wirklich nicht „unser Ding war", so Weber. Deshalb ergänzte man Bürger mit Liste. Das klang schon besser. An das Gefühl nach der ersten Kommunalwahl kann sich Tim Willy Weber noch gut erinnern. 

Tim Willy Weber: Gründungsmitglied der FGBO - und jetzt Bürgermeister im Flecken Ottersberg. 

„Es war eine stille Freude, gepaart mit Stolz einer von 28 Ratsmitgliedern zu sein". Von Anfang an berieten Brigitte und Wilfried Mittendorf die neue Wählergemeinschaft im Rat. „Sie haben uns viel gezeigt und erklärt", so Weber. Als durch Brigitte Mittendorf der Impuls gegeben wurde, eine neue gemeinsame Wählergemeinschaft zu gründen, unterstützte er das. „Durch meine Zeit im Rat habe ich viel über Politik und Ottersberg gelernt. Ich weiß wie es sich anfühlt, überstimmt zu werden und mit der Mehrheit zu stimmen. Ich weiß, wie wichtig es ist, sich auf manche Sitzungen sehr gut vorzubereiten, und dass irgendwann Routine hinzu kommt und die Arbeit erleichtert. Und ich weiß, wie wichtig es ist, aufeinander zu zugehen und sich zuzuhören", so der erste Bürgermeister im Flecken Ottersberg, der aus den Reihen der Wählergemeinschaft kommt.

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Übrigens:

"Wer nichts waget, der darf nichts hoffen."

Friedrich Schiler

Wer ist eigentlich:

Lena Erdmann

Abiturientin, Jahrgang 2002, ledig, keine Kinder
lebt mit ihren Eltern in Quelkhorn

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