Der Otterstedter See eine Art „Dauerpatient" 

Der See im Sommer lädt zum Baden ein

30.06.‘19

 Von Uwe Dammann

„Der Otterstedter See ist zum Baden eingeschränkt geeignet. Bitte beachten Sie die nachstehenden Hinweise. Zurzeit besteht ein vermehrtes Aufkommen an Blaualgen, bitte beachten Sie die Verhaltensweisen dazu vor Ort. In der aktuellen sommerlichen Situation kann es je nach Wind- und Wellenverhältnissen zu Ansammlungen z. B. in Strandbereichen kommen. Diese Bereiche sollten dann gemieden werden. Es sollten besonders Kinder beaufsichtigt werden. Vorsicht sollte entsprechend auch für badende Hunde gelten."

Bentophos, Belüftung oder Mikroorganismen

Da ist er wieder, der Warnhinweis des Landkreises Verden, der nicht nur im Internet, sondern auch auf eigens aufgestellten Warnschildern am Seeufer die Badenden auf das seit Jahrzehnten wiederkehrende Blaualgenproblem aufmerksam macht. Einmal mehr befasste sich der Otterstedter Ortsrat in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Umweltausschuss mit dieser Problematik, die wahrlich nicht neu ist. Der Otterstedter See ist eine Art Dauerpatient: Mal geht es dem Badegewässer besser, dann wieder schlechter. Nach dem einige Jahre ungestörter Badebetrieb möglich war, kommen jetzt seit dem Vorjahr die Blaualgen wieder. Um der Plage etwas entgegenzusetzen, müsste es demnächst entweder einen Nachschlag des Mittels "Bentophos" geben oder es könnten alternativ Mikroorganismen zum Einsatz kommen, um den Wasserzustand zu verbessern.

Das ist grob zusammengefasst der aktuelle Diskussionsstand. Die CDU-Fraktion um den Otterstedter Ortsbürgermeister Reiner Hinrichs hatte einen Antrag eingebracht, um erneut mit einer Bentophos-Eingabe der Blaualgenproblematik Herr zu werden. 13 000 Euro sollte das rund kosten, das letzte Mal war die chemische Substanz, 2009 in den See eingegeben worden. Bentophos besteht aus Bentonit, einem fein gemahlenen Tonmineral als Trägerstoff für den Wirkstoff Lanthan. Lanthan ist ein Metall, dessen Eigenschaften mit denen von Aluminium verwandt sind. Es gehört so den sogenannten Seltenen Erden und wird unter schwierigsten Arbeitsbedingungen in China aus dem Boden gewonnen. Ins Wasser eingebracht, sinkt das Granulat zu Boden und bindet das im Wasser vorhandene Phosphat. Das Phosphat ist wiederum die Lieblingsspeise der Blaualgen, die sich durch das reichhaltige Nahrungsangebot kräftig vermehrten und zur starken Gefahr für den Badesee wurden. Wegen der hohen Belastung des Gewässers mit Blaualgen musste der See zwischenzeitlich sogar für den Badebetrieb gesperrt werden. Doch das ist lange her, könnte aber nun bald wieder drohen. Deshalb bestand auch höchste Dringlichkeitsstufe für die aktuelle Debatte.

Die Tage von Bentophos sind gezählt

Das Bentophos könnte allenfalls nach dem Ende der aktuellen Badesaison – frühestens in Oktober oder November eingebracht werden. Ob es dazu kommt, ist aber längst nicht entschieden. CDU-Ratsherr Hinrichs zog in der Sitzung seinen Antrag zunächst einmal zurück. In einer gemeinsamen Initiative hatten die Mitglieder von FGBO, Grüne und SPD gefordert, vorab noch weitere Alternativkonzepte zu prüfen. Beispielsweise wäre der Einsatz von Mikroorganismen oder ein Belüftungskonzept für den See ein Mittel, um die Badequalität zu verbessern. In der aktuellen Sitzung referierte Professor Dr. Michael Schlüter vom Hamburger University of Technology, der in Ottersberg lebt, zum Thema. Schlüter referierte kompetent zur Tiefenwasserbelüftung, bewertete aber auch eine vorliegende Studie zum See und warb für Alternativlösungen zum Bentophos. Fakt ist, dass sich die Kommune über kurz oder lang über alternative Sanierungskonzepte zum Bentophos Gedanken machen muss. Die Untere Wasserbehörde (UWB) in Verden hatte bereits im Vorfeld mitgeteilt, dass zwar einer weiteren, kleineren Zugabe von Bentophos noch einmalig zugestimmt werde, danach aber nachhaltigere Lösungen gefordert sind. Vor allem müssten die Ursachen für den erhöhten Phosporgehalt im See ergründet werden. Bereits seit April 2018 erfasst die Kommune die Nährstoffeinträge, die mit dem Regen in den See gespült werden.

FGBO, Grüne und SPD waren sich jedenfalls einig, dass nachhaltigere Lösungen her müssen. „Wir werden einer weiteren Zugabe von Bentophos nicht zustimmen", sagten Holger Wieters-Fröhlich (FGBO) und Angela Hennings (Grüne) übereinstimmend. Nach den Sommerferien soll nun ein weiterer Referent über den Einsatz von Mikroorganismen berichten, die dem Phosphat den Garaus machen könnten. Vor dem Winter wolle man ein nachhaltiges Sanierungskonzept verabschieden.

Anrede:
   
Vorname:
Name:
E-Mail:
 
HTML Newsletter
 

Übrigens:

"Wer nichts waget, der darf nichts hoffen."

Friedrich Schiler

Wer ist eigentlich:

Friedrich Bartels

Oberstudienrat i.R., verheiratet, 1 Sohn
Fritz Bartels lebt seit 1993 in Ottersberg. Er war ab 1980 am Cato Bontjes van Beek-Gymnasium in Achim tätig und gehörte zum Gründungsgremium des Gymnasiums Sottrum.

powered by webEdition CMS