"Wer nichts waget, der darf nichts hoffen."
Friedrich Schiller


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16.04.‘26
Von Uwe Dammann
Ottersberg. Der Wein und das Bier waren kaltgestellt, die alkoholfreien Drinks aus Mineralwasser gemixt mit einem Sirup aus Ingwer-Zitrone oder Rhabarber standen bereit. Die dreiköpfige Band Jakob & Joran & Lino spielte – und die Stimmung war Partymäßig locker. Wäre da nicht noch die Kleinigkeit gewesen, auf die es aber an dem Abend im Wesentlichen ankam. Die offizielle Abstimmung der FGBO-Mitglieder über ihren Bürgermeisterkandidaten Tim Willy Weber. Der amtierende Bürgermeister will bei der Kommunalwahl am 13. September erneut für das Amt antreten – und bekam dafür nicht nur das einstimmige Votum der 23 anwesenden Mitglieder, sondern auch noch den Beifall in der mit etwa 100 Besuchern voll besetzten Güterhalle am Bahnhof. Die FGBO hatte Vereinsvertreter aus Ottersberg und natürlich auch Freunde und Bekannte zu dieser Nominierungsparty eingeladen.
Und die Abstimmung – das vorweg – ging dank der guten Vorbereitung und Versammlungsleitung durch Stefan Bachmann zügig in geheimer Wahl über die Bühne. Bachmann arbeitete die Tagesordnung professionell ab, ließ einen Schriftführer (Uwe Dammann) und zwei Vertrauenspersonen – (Ina Bauer, Uwe Schwark) wählen, die die Stimmzettel auszählten. Und schon konnte das Ergebnis des Wahlvorschlags bekannt gegeben werden. Bachmann fragte Tim Willy Weber ob er die Wahl annimmt, der bejahte es und anhaltender Beifall brandete auf. Und dann bekam der 55 Jahre alte Tim Willy Weber die Bühne, um seine Motivation für die anstehende Kommunalwahl zu unterstreichen. Das persönliche – Alter, verheiratet mit Silvia Gauss, drei Kinder, drei Enkelkinder, handelte er bei der Kurzvorstellung schnell ab, ehe er auf Wesentliche zu sprechen kam. Im Grunde sei es ganz einfach, so Weber. „Ich bin noch nicht fertig“, sagte Tim. Abgesehen davon, dass ihm die Arbeit viel Freude bereite, will er vor allem angefangene Projekte zu Ende bringen und gleichzeitig neue auf die Schiene setzen. „Manches dauert schlicht einfach länger als ursprünglich gedacht“, so Weber. Obwohl er gut mit dem Rat zusammenarbeite und auch in den vergangenen Jahren einiges auf den Weg gebracht habe. Als Beispiele dienten dazu die in den vergangenen Jahren vollzogene Neuanpflanzung von 12 500 Bäumen, ein Sanierungskonzept für den Otterstedter See, der Neubau mehrerer Feuerwehrhäuser oder die Mensen für die Grundschulen.
Perspektivisch gäbe es allerdings noch vieles zu tun, so der Bürgermeister und stellte dabei in seinen eloquenten und konzentriert vorgetragenen Ausführungen die vier Themenbereiche Klimaschutz, demografischer Wandel, Wohnungsbau und Demokratiestärkung in den Mittelpunkt.
Beim Klimaschutz steht für den passionierten Radfahrer die Verbesserung der Radinfrastruktur im Mittelpunkt, auch der Ausbau des Wärmenetzes soll weiter gefördert werden und auch beim Bauen habe die Kommune einen ökologischen Weg eingeschlagen, was man bei den öffentlichen Bauten mit Photovoltaikanlagen gut sehen könne.
Der Bereich demografischer Wandel und Wohnungsbau sei ebenfalls nicht trennbar. Wie andere Kommunen auch müsse sich Ottersberg auf eine ältere Einwohnerschaft einstellen, was Weber aber nicht als Makel, sondern als Chance begreifen will. „Wenn wir mehr ältere Menschen in der Gemeinde haben, die nicht mehr aktiv im Berufsleben stehen, können wir das ehrenamtliche Engagement steigern“, so Weber. Ohne das ehrenamtliche Engagement vieler seien heute schon Einrichtungen wie der Bürgerbus oder der Dorfladen in Otterstedt nicht denkbar. Gleichzeitig müsse die Kommune aber die Ärzteversorgung, Pflege und Mobilität sichern. Diese Aufgabe sei anspruchsvoll und auf viele Jahre ausgelegt. Der Bürgermeister könne sich vorstellen, dass die Kommune in diesem Bereich auch als Arbeitgeber auftritt, um vielleicht eine Gemeindeschwester zu beschäftigen oder ein Medizinmobil zu betreiben.
Auch für den Bereich Wohnungsbau spiele der demografische Wandel eine große Rolle. Gemeinsam mit dem Gemeinderat wolle er Quartiere für verschiedene Wohnformen entwickeln, die die Gemeinschaft stärken und gleichzeitig auch die Mobilität sichern. Car- und Bikesharing seien da nur zwei Beispiele.
Wichtig aber auch ist für Weber, der jahrelang Geschäftsführer von „Mehr Demokratie e.V.“ war, der Bereich Demokratiestärkung. „Auch bei uns gibt es spätestens seit Corona Anzeichen unversöhnlicher Kommunikation“. Gegensätzliche Meinungen auch mal stehenzulassen, falle manchen sehr schwer. Dem will Weber, der grundsätzlich offen auf die Menschen zugeht, entgegentreten. Man müsse „neue Gesprächsformate entwickeln, um auch wieder mit Menschen mit unversöhnlichen Standpunkten, beispielsweise aus der Reichsbürger-Szene in den Dialog zu kommen.“ „Wir alle sind gefordert, Demokratie zu stärken“, so Weber.
In der anschließenden Fragerunde ging es im Schwerpunkt um die Bereiche Naturschutz, Bürgerbeteiligung, Straßenbau und Wirtschaftsförderung. Immer wieder sei der „Interessenkonflikt zwischen Ökologie und Ökonomie“ ein zentrales Thema, so Weber. Die Kommune müsse da stets einen tragfähigen Kompromiss suchen, das sei nicht immer leicht „und gehe ihm manchmal auch an die Nieren“. Zum Ausklang des Abends gab es noch einmal Musik - und nun kamen auch die gekühlten Getränke zum Einsatz.
